Nach den massiven Boykottankündigungen des Weltmeisters Finnland und anderer europäischer Länder hat der Eishockey-Weltverband IIHF seine Entscheidung über die Zulassung Russlands zur WM in Deutschland und bei weiteren Turnieren vertagt. "Wir setzen unser Meeting am Donnerstag fort", sagte IIHF-Präsident Franz Reindl. Nach dem Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs CAS, dass Russland wieder an Weltmeisterschaften teilnehmen darf, hatte das IIHF-Council am Montag und Dienstag über die konkrete Umsetzung konferiert.
Am Dienstag bildete sich breiter Widerstand. Zunächst kündigte Titelverteidiger Finnland an, nicht gegen Russland anzutreten. Dem schlossen sich Schweden, Norwegen, Dänemark, Lettland und Tschechien an. Offensichtlich hatte der Weltverband nicht mit dieser massiven Reaktion gerechnet. Kanadas Premierminister Mark Carney bekräftigte zudem, dass Russland nicht an der Junioren-WM in Edmonton und Red Deer vom 26. Dezember bis zum 5. Januar teilnehmen werde. Zuvor hatte die kanadische Regierung bereits erklärt, keine Visa auszustellen.
Bundesregierung hält sich zurück
Die IIHF erklärte am Mittwoch auf ihrer Homepage, sie halte "an ihrer Ablehnung der Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofs fest". Wie sie dem CAS dargelegt habe, bringe "die sofortige Wiederaufnahme russischer Teams erhebliche praktische und sportliche Herausforderungen mit sich, darunter Visa- und Einreisebestimmungen, Sicherheitsvorkehrungen, logistische Einschränkungen und Konsequenzen für die Wettbewerbsformate - all dies noch verschärft durch den begrenzten verfügbaren Zeitraum, da einige Veranstaltungen bereits in wenigen Wochen stattfinden". Die Auswirkungen des CAS-Urteils seien "erheblich unterschätzt" worden.
Die Bundesregierung hält sich in Visafragen in Bezug auf die WM in Gelsenkirchen, Düsseldorf und Mannheim vom 13. bis zum 30. Mai 2027 anders als Kanada bislang zurück. Sie sehe die CAS-Entscheidung "sehr kritisch" und werde sich mit dem Deutschen Eishockey-Bund (DEB) "zeitnah austauschen", hatte am Sonntag ein Sprecher auf Anfrage mitgeteilt und auf die "restriktive Visumpolitik gegenüber Russland" verwiesen. "In Einklang mit den EU-Leitlinien werden russischen Antragstellenden Visa für kurzfristige Aufenthalte nur unter sehr engen Voraussetzungen erteilt."
Der DEB-Vorstandsvorsitzende Frank Lutz, der am Wochenende eine Rückgabe der WM als Option genannt hatte, ist in Berlin, um Gespräche mit der Politik zu führen.


