SachsenMehr als 1.600 Jugendliche in Sachsen ohne Lehrstelle

Für viele Jugendliche hat mit der Berufsausbildung längst ein neuer Lebensabschnitt begonnen. Doch mehr als 1.600 stehen ohne Lehrstelle da. Was sind die Gründe?
Chemnitz (dpa/sn) - Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten vieler Unternehmen machen es für Jugendliche in Sachsen schwerer, eine Lehrstelle zu finden. Ende September standen noch mehr als 1.600 junge Männer und Frauen ohne Ausbildungsvertrag da, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit informiert. Damit habe es erstmals seit 2009 wieder mehr unversorgte Bewerber als offene Ausbildungsplätze gegeben, konstatiert der Chef der Regionaldirektion, Klaus-Peter Hansen. Er rät Jugendlichen, bei der Suche nach einer Lehre flexibel zu sein und einen Plan B zum Wunschberuf zu entwickeln.
Sowohl die sächsischen Industrie- und Handelskammern (IHK) als auch das Handwerk melden Rückgänge in der Ausbildung. Die IHK-Mitgliedsbetriebe haben gut 11.200 neue Ausbildungsverträge geschlossen. Das sind 3,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Bei den Handwerkskammern steht ein Minus von 4,8 Prozent auf knapp 5.600 Lehrverträge zu Buche. Zuwächse gibt es laut Hansen jenseits der dualen Ausbildung bei schulischen Ausbildungsgängen.
Mehr Unternehmen halten sich bei Ausbildung zurück
Der Präsident der IHK Chemnitz, Max Jankowsky, verwies auf die wirtschaftlich schwierige Lage vieler Unternehmen: "Die Krise geht tiefer ins Mark." Ein deutliches Zeichen dafür sei die hohe Zahl an Insolvenzen. "Ausbildung kostet Geld", betont der Unternehmer. Umfragen zufolge blickten zudem nur wenige Unternehmen optimistisch in die Zukunft. Daraus folge eine Zurückhaltung bei der Ausbildung.
Den Angaben zufolge bilden nur rund 17 Prozent der Betriebe in Sachsen überhaupt aus. Verschlechtern sich die Geschäftsaussichten, dann werde häufig die Zahl der Ausbildungsplätze reduziert oder die Ausbildung vorübergehend ganz ausgesetzt.
"Der Arbeitsmarkt trübt sich ein und das schlägt zeitversetzt auch auf den Ausbildungsmarkt durch", erklärt Hansen. Auffallend sei, dass die Vermittler der Arbeitsagenturen häufiger auf junge Menschen treffen, die sie schon aus den Vorjahren kennen. Im aktuellen Berichtsjahr 2025/26 ist von mehr als 6.200 Altbewerbern die Rede. Entweder sie hätten im Vorjahr keine Lehrstelle gefunden und suchten nun erneut, oder sie hätten ihre Ausbildung abgebrochen.
Diese Berufe sind bei Jugendlichen besonders gefragt
Die Hitliste der Wunschberufe der Jugendlichen ist laut Hansen über die Jahre weitgehend stabil. Auf Platz 1 steht Verkäufer oder Verkäuferin, gefolgt vom Kfz-Mechatroniker und Kaufmann oder Kauffrau für Büromanagement. Insgesamt waren den Arbeitsagenturen gut 19.900 Ausbildungsplätze gemeldet worden. Das ist zwar ein leichtes Plus im Vergleich zum Vorjahr, allerdings deutlich weniger als 2024 (20.840) und 2023 (22.631). Dem standen dieses Jahr mehr als 18.700 Interessenten für eine Ausbildung gegenüber (plus 0,7 Prozent).
Dass jedes Jahr trotz freier Lehrstellen junge Menschen ohne Ausbildungsplatz bleiben, liegt den Experten zufolge nicht nur an unterschiedlichen Wünschen und Erwartungen von Jugendlichen und Unternehmen. Mitunter liege auch der Wohnort des Bewerbers zu weit vom angebotenen Ausbildungsplatz entfernt. Denn viele Schulabgänger sind noch minderjährig und eingeschränkt mobil.