Trump-Debakel bei den MidtermsAlle Daten zu den US-Wahlen
Politischer Umbruch in den USA: Bei den laufenden Kongresswahlen kippen die Mehrheitsverhältnisse in Washington, die Demokraten feiern einen deutlichen Wahlsieg. Was heißt das für Donald Trump? Die wichtigsten Zahlen zu den "Midterm Elections" im Überblick.
Die Wahllokale haben geschlossen, die Auszählung der Stimmen dauert in vielen US-Bundesstaaten noch an: Bei den Kongresswahlen inmitten der zweiten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump haben die Demokraten einen erdrutschartigen Wahlsieg erzielt. Bei den landesweiten Wahlen am 3. November 2026 waren insgesamt rund 250 Millionen US-Bürger dazu aufgerufen, die Machtverhältnisse im Kongress neu zu bestimmen. Wie stark gerät Trumps Machtbasis in Washington ins Wanken?
Der deutliche Wahlerfolg der Demokraten zeichnete sich bereits in der Wahlnacht ab: Durch den Iran-Krieg, die steigenden Lebenshaltungskosten und die hohen Kraftstoffpreise hatten sich die sogenannten "Midterm Elections" in eine Abstimmung über den politischen Kurs der USA insgesamt verwandelt - und in ein Votum gegen US-Präsident Donald Trump. Wie sehen die aktuellen Daten aus den Bundesstaaten aus?
Hinweis: Daten und Infografiken zur US-Wahl 2026 werden laufend aktualisiert.
Die Zwischenwahlen schaffen auf einen Schlag komplett neue Mehrheitsverhältnisse in den USA: Zwei Jahre nach der Präsidentschaftswahl von 2024 ging es bei den "Midterms" um die Neubesetzung aller 435 Abgeordnetenposten im Repräsentantenhaus sowie um ein Drittel der Sitze im Senat. "Midterms" werden die Parlamentswahlen in beiden Häusern des US-Kongresses genannt, wenn sie wie 2022 oder 2026 in die Mitte einer Amtszeit (englisch: "Term") des Präsidenten fallen.
Wahltag ist traditionell der erste Dienstag im November. Gewählt wird von der US-Ostküste bis Kalifornien, Hawaii und Alaska im Westen in mehreren Zeitzonen. Aufgrund der Zeitverschiebung zog sich die Stimmabgabe am Wahltag von Dienstag, 3. November mittags deutscher Zeit bis in die frühen Morgenstunden am Mittwoch.
Hinweis: Den ntv Liveticker zu den US-Midterms 2026 finden Sie hier
Gewählt wurde regional auf verschiedenen Ebenen: Zeitgleich zur landesweiten Repräsentantenhaus-Wahl in den 435 Kongresswahlbezirken und den Senatswahlen standen in 36 Bundesstaaten auch Gouverneurs-Wahlen an. Zusätzlich wurden zahlreiche weitere lokale und regionale Verwaltungspositionen neu besetzt.
Die Zwischenwahlen lieferten der US-Öffentlichkeit eine Gelegenheit zur Abrechnung mit der Ära Trump insgesamt. Unsicherheit und Unzufriedenheit haben längst auch Trumps Wählerbasis im "Make America Great Again"-Lager erreicht. Die Folge: In beiden Kammern des US-Parlaments, im Repräsentantenhaus und im Senat, haben die Republikaner ihre bisher gehaltene Mehrheit verloren.
Dass es für die Republikaner unter Trump bei den Midterms 2026 nicht leicht werden würde, hatte sich in den Umfragen bereits abgezeichnet: Tatsächlich konnten die Demokraten in mehreren Schlüsselstaaten wichtige Mandate erobern. Insgesamt schnitten republikanische Bewerber sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat teils deutlich schwächer ab als erwartet.
Ein Verlust der Mehrheit für die Republikaner dürfte in der Praxis weitreichende Folgen haben: Trump dürfte mit dem Rückhalt im Kongress auch einen Großteil seiner politischen Gestaltungsspielräume einbüßen. Neben etwaigen parlamentarischen Untersuchungsausschüssen droht dem amtierenden US-Präsidenten womöglich auch ein weiteres Amtsenthebungsverfahren. Wie sah die Machtverteilung im Repräsentantenhaus bisher aus?
In dem 435 Sitze umfassenden "House of Representatives" - kurz auch einfach: "the House" genannt - konnte sich der US-Präsident zuletzt nur noch auf eine knappe Mehrheit stützen. Die Republikaner stellten dort bisher 218 Abgeordnete - inklusive des früheren Republikaners Kevin Kiley sind es 219. Der Abgeordnete aus Kalifornien war im Frühjahr aus der Partei ausgetreten, um sich als unabhängiger Kandidat um seine Wiederwahl zu bewerben.
Die Demokraten kamen im Repräsentantenhaus zuletzt auf 214 Abgeordnete. Der unabhängige Kiley verblieb in der Fraktion und stimmte bisher in der Regel mit den Republikanern. Zwei weitere Sitze waren aufgrund der Rücktritte des Republikaners Tony Gonzales aus Texas und der Demokratin Sheila Cherfilus-McCormick aus Florida vorerst unbesetzt.
In den Wahlprognosen war der politische Umschwung in den USA bereits im Vorfeld erkennbar: Basierend auf den jüngsten Umfragewerten rechneten Meinungsforscher mit Blick auf die Wahl am 3. November mit bis zu 220 halbwegs sicheren Sitzen für die Demokraten. Den Republikanern ließen sich demnach schon jetzt bis zu 200 Sitze mehr oder weniger fest zuordnen. In 27 Kongresswahlbezirken könne es trotz klar erkennbarer Tendenzen knapp ausgehen, hieß es. In insgesamt 15 Fällen galt das Rennen um den Einzug ins Repräsentantenhaus bis zur Wahlnacht als "noch vollkommen offen".
Im Senat sahen die Aussichten sehr viel enger aus: Bisher kontrollierten die Republikaner in dieser Kammer mit 53 zu 47 Sitzen klar die Mehrheit. Gestützt auf Erhebungen in den betroffenen Bundesstaaten ließen sich den beiden Parteien bisher jeweils nur 46 Sitze zuordnen. In den übrigen acht Fällen war die künftige Sitzverteilung noch offen. Die Entscheidung über die Mehrheitsverhältnisse im Senat - so hieß es bis kurz vor der Wahl - könne in Texas, Kansas, Iowa, Michigan, Ohio, Georgia, North Carolina, New Hampshire und womöglich auch in Maine fallen.
Die Lage im Senat
Regulär bleiben US-Senatoren volle sechs Jahre im Amt. Die Wahlperioden beginnen und enden jedoch versetzt: Alle zwei Jahre wird ein Drittel des Senats neu besetzt. Bei den anstehenden Zwischenwahlen werden dieses Mal jedoch 35 der 100 Senatorenposten neu vergeben.
Bei den Midterms 2026 standen somit zwei zusätzliche Sitze im Senat zu Wahl - über das reguläre Drittel hinaus. Der Grund: JD Vance und Marco Rubio haben nach der Wahl 2024 auf ihre 2022 errungenen Senatsmandate verzichtet, um unter Trump als Vizepräsident und Außenminister zu dienen. Gewählt wird somit dieses Mal in 35 der 50 Bundesstaaten.
Im Repräsentantenhaus gibt das US-Wahlrecht dagegen eine schnellere Taktung vor. Alle zwei Jahre wird die Parlamentskammer komplett neu zusammengesetzt. Die Abgeordneten müssen sich neu zur Wahl stellen. Die Bundesstaaten sind dabei in sehr unterschiedlichem Umfang in Washington vertreten.
Maßgeblich für die Anzahl der zu vergebenden Sitze ist die Einwohnerzahl: Dünn besiedelte Bundesstaaten wie Alaska, Wyoming oder die beiden Dakotas können jeweils nur einen Abgeordneten ins Repräsentantenhaus entsenden. Bevölkerungsreichere Bundesstaaten wie Illinois kommen auf 17, Florida auf 28, Texas auf 38 Sitze und Kalifornien sogar auf 52.
Die Zwischenwahlen in der Mitte der präsidentiellen Amtszeit sind in der US-Demokratie von herausragender Bedeutung: Verliert ein US-Präsident seinen Rückhalt im Kongress, sind seine politischen Handlungsspielräume künftig stark beschränkt.
Für Präsident Trump stand bei den Midterms damit auch seine politische Zukunft und die Bewegungsfreiheit in der zweiten Hälfte seiner Amtszeit auf dem Spiel. Dank der "blauen Welle" - also des deutlichen Sieg der Demokraten in den entscheidenden Schlüsselstaaten - kann die Opposition im Kongress künftig Gesetzesvorhaben blockieren und auch parlamentarische Untersuchungen anstoßen.
Noch steht das offizielle Wahlergebnis nicht fest. Im US-Bundesstaat Mississippi zeichnet sich am Tag nach der Wahl ein äußerst knapper Wahlausgang ab, und auch in Alaska ist die Senatswahl noch nicht entschieden. Etwaige Neuauszählungen können das Wahlergebnis um Tage oder Wochen verzögern.
An der Ostküste schlossen die Wahllokale am Dienstagabend zwischen 19.00 und 20.00 Uhr Ortszeit (Eastern Standard Time, EST). Aus europäischer Sicht trafen damit erst am 4. November ab 1.00 Uhr morgens (MEZ) erste Hochrechnungen auf Basis von Nachwahlbefragungen ein.
Gewählt wurde in mehreren Zeitzonen: Bis die Wahllokale an der Westküste und in Alaska schlossen, vergingen weitere Stunden. In Kalifornien war die Stimmabgabe erst um 5.00 Uhr morgens deutscher Zeit beendet. In Hawaii wurde bis 6.00 Uhr morgens (MEZ) gewählt, in Alaska sogar bis 7.00 Uhr deutscher Zeit.
Donald Trump als "lahme Ente"?
Schon jetzt ist klar: Bei den Zwischenwahlen 2026 hat vorrangig Donald Trump eine krachende Niederlage eingefahren. "Er hatte keine überzeugende Botschaften an die Wähler, verzettelte sich in seinen Bauprojekten in Washington, schmiss sich mit dem Diesel-Deal an Putin heran und hatte keine Antwort auf die steigenden Lebenshaltungskosten", heißt es in einer ersten Wahl-Analyse bei ntv. "Die US-Bürger spüren Trumps Politik ganz direkt in ihrem eigenen Geldbeutel."
Mit seiner Zoll-Politik und dem Iran-Krieg habe Trump seine "wichtigsten Wahlversprechen gebrochen", schreibt Volker Petersen in einem Kommentar. Trump habe es nicht geschafft, die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen und die Lebenshaltungskosten zu senken. Ohne Mehrheit im Kongress kann Trump künftig kaum noch aktiv gestalten - sofern er sich an die in der Verfassung vorgesehenen Beschränkungen hält. Im politischen Sprachgebrauch der US-Hauptstadt verwandelt er sich in eine "lame duck", eine lahme Ente.
"Trump hat seine Magie verloren", beschreibt ntv-Korrespondent Roland Petersen die Folgen seiner Niederlage in den USA. Politisch geschwächt blickt der mittlerweile 80-Jährige den letzten beiden Jahren seiner zweiten Amtszeit entgegen. Ohne Aussicht auf vorzeigbare politische Großprojekte könnte er als letztlich gescheitert in die Geschichte eingehen. Kurz: Donald Trump steuert darauf zu, seiner Partei in den verbliebenen beiden Jahren vor der Präsidentschaftswahl 2028 einen innen- wie außenpolitischen Scherbenhaufen zu hinterlassen.

