Siege in Republikaner-HochburgenDiesen Demokraten gelang Historisches

Bei den US-Kongresswahlen triumphieren eine Reihe von Demokraten, die künftig eine größere Rolle in der Partei spielen könnten. Einige von ihnen symbolisieren den Generationswechsel, den Anhänger nach der verlorenen Präsidentschaftswahl 2024 forderten. Manche werden sogar als mögliche Präsidentschaftsanwärter für 2028 gehandelt:
Texas: James Talarico und Gina Hinojosa
Dem 37-jährigen James Talarico gelang im konservativen Südstaat Texas eine politische Sensation: Er eroberte für seine Partei erstmals seit gut drei Jahrzehnten einen der heiß begehrten Sitze im US-Senat in Washington. Seinen Sieg über den Trump-Verbündeten Ken Paxton verglich er mit dem biblischen Kampf von David gegen Goliath. Der Demokrat, der ein protestantisches Priesterseminar besucht hat, warb mit einer Mischung von christlichen Botschaften und Wirtschaftsversprechen gezielt um von Trump enttäuschte Republikaner. Nicht wenige in der Partei halten den um Ausgleich bemühten Talarico für einen idealen Kandidaten für die Präsidentschaftswahl 2028.
Gina Hinojosa besiegte den amtierenden Gouverneur Greg Abbott. Die bisherige Abgeordnete im Parlament von Texas rückt damit als erste Demokratin seit 1990 an die Spitze des Bundesstaats. Sie entpuppte sich als unerwartet starke Konkurrentin für einen der bekanntesten und bestfinanzierten republikanischen Gouverneure in den USA. Einem Bericht der Zeitung "Texas Tribune" zufolge gab Abbott fast achtmal so viel Geld im Wahlkampf aus wie Hinojosa. Die Demokraten hatten das Rennen in Texas anfangs abgeschrieben und Mühe gehabt, überhaupt eine Kandidatin gegen Abbott zu finden.
Michigan: Abdul El-Sayed
Der 42-jährige Abdul El-Sayed setzte sich im nördlichen Bundesstaat Michigan gegen den Republikaner Mike Rogers durch. Der Mediziner hat sich neben Ocasio-Cortez und dem New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani zu einem der führenden Köpfe im linken Lager der Demokraten entwickelt. El-Sayed, dessen Familie aus Ägypten stammt, wirbt für ein Ende der US-Hilfen für Israel, eine Krankenversicherung für alle Bürgerinnen und Bürger und die Abschaffung der umstrittenen Einwanderungsbehörde ICE. Sein Sieg dürfte dem linken Flügel der Demokraten mit Blick auf die Präsidentschaftswahl 2028 einen Schub geben.
Georgia: Keisha Lance Bottoms und Jon Ossoff
Keisha Lance Bottoms wird die erste Schwarze Gouverneurin in der Geschichte der USA. Sie gewann das erste Mal seit 1998 den Gouverneursposten im Bundesstaat Georgia für die Demokraten. Bottoms setzte sich gegen den von Trump unterstützten Republikaner Rick Jackson durch und wird damit die erste Frau und die erste Schwarze in dem Amt sein. Bottoms ist Rechtsanwältin und war von 2018 bis 2022 Bürgermeisterin der Metropole Atlanta. Der bisherige republikanische Amtsinhaber Brian Kemp durfte nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten.
Mit 39 Jahren war Jon Ossoff bisher der Jüngste im Senat in Washington, wo das Durchschnittsalter bei rund 65 Jahren liegt - nun gibt er diesen Titel an seinen Parteikollegen Talarico ab. Ossoff ist zudem der erste jüdische Senator in dem Swing State Georgia. Seinen Sitz verteidigte der Harvard-Absolvent und Verleger souverän gegen den von Trump unterstützten republikanischen Kongressabgeordneten Mike Collins. Obwohl Ossoff weiß ist, vergleichen ihn Strategen mit dem früheren Präsidenten Barack Obama - vor allem wegen seiner leidenschaftlichen Ansprachen, für die er Obamas frühere Redenschreiber-Agentur nutzt. Obwohl ihm einige das nötige Charisma attestieren, bestreitet Ossoff höhere Ambitionen: "Ich habe null Interesse, für die Präsidentschaft zu kandidieren", sagte er mit Blick auf 2028.
Ohio: Amy Acton und Sherrod Brown
Die demokratische Ärztin Amy Acton besiegte den republikanischen Unternehmer Vivek Ramaswamy. Das Rennen hatte landesweit für Aufsehen gesorgt, nachdem Ramaswamys Wahlkampfteam ein brisantes Video mit der von Acton entfremdeten Mutter veröffentlicht hatte. Darin bestritt Donna Arthur die Schilderungen ihrer Tochter über eine von Obdachlosigkeit und sexuellem Missbrauch geprägte Kindheit. Sie rief dazu auf, Acton nicht zu wählen. Die Demokratin ist eine frühere Direktorin der Gesundheitsbehörde von Ohio und leitete die Maßnahmen des Bundesstaats während der Corona-Pandemie. Ohio galt bis zu Trumps Erfolg bei der Präsidentschaftswahl 2016 lange als klassischer Swing State, in dem die Wähler mal mehrheitlich für die Demokraten, dann wieder für die Republikaner stimmten. Die Demokraten hatten in Ohio lediglich eine der vergangenen neun Gouverneurswahlen für sich entschieden.
Auch bei den Senatswahlen gewannen die Demokraten in Ohio. Sherrod Brown löst den republikanischen Amtsinhaber Jon Husted ab. Der Sieg markiert für Brown ein Comeback zwei Jahre nach dem Verlust seines Sitzes. Husted war im Januar 2025 vom republikanischen Gouverneur Mike DeWine in den Senat berufen worden, um den vorherigen Amtsinhaber JD Vance zu ersetzen, nachdem dieser Vizepräsident geworden war.
New Mexiko: Deb Haaland
Die Demokratin Deb Haaland wurde als erste indigene Frau in der Geschichte der USA zur Gouverneurin gewählt. Haaland setzte sich im Bundesstaat New Mexico gegen den Republikaner Gregg Hull durch. Die 1960 geborene Haaland war zuvor unter anderem zwischen 2021 und 2025 Innenministerin unter US-Präsident Joe Biden - und hatte damit als erste indigene Frau einen Ministerposten in den USA bekleidet.
Wisconsin: David Crowley
Der Demokrat David Crowley gewann in Wisconsin das Gouverneursrennen gegen den von Trump unterstützten Republikaner und US-Abgeordneten Tom Tiffany. Der 40-Jährige schreibt als erster Schwarzer in diesem Amt Geschichte des Bundesstaats. Crowley ist Verwaltungschef des Bezirks Milwaukee. Seine Kandidatur hatte er im Juli zunächst zurückgezogen, um dann zehn Tage später nach dem Rücktritt der damaligen Kandidatin wieder anzutreten. Ein deutlicher Sieg Crowleys war im Vorfeld nicht sicher. Er hatte im Wahlkampf versucht, Tiffany konsequent mit Trumps Agenda in Verbindung zu bringen. Im Kongress hatte Tiffany sich für traditionell konservative Anliegen wie das Recht auf Waffenbesitz und niedrigere Steuern eingesetzt. Zudem hatte er einen Gesetzentwurf eingebracht, der die meisten Abtreibungen nach etwa sechs Wochen Schwangerschaft verboten hätte. Crowley warb im Wahlkampf mit seiner Unterstützung für das Recht auf Abtreibung.
Kansas: Adam Hamilton
Dem demokratischen Priester Adam Hamilton gelang eine Sensation: Er eroberte in Kansas erstmals seit 1932 einen Senatssitz für seine Partei. Vor nur zwei Jahren hatten die Republikaner dort noch mit über 16 Prozent Vorsprung gewonnen. Der 62-jährige Hamilton siegte gegen den republikanischen Amtsinhaber Roger Marshall. Der landwirtschaftlich geprägte Bundesstaat im Mittleren Westen gilt als republikanische Hochburg: Dass Marshall überhaupt ernsthaften Wahlkampf betreiben musste, galt deshalb bereits als Überraschung. Im Lauf des Wahlkampfs hatten Umfragen aber auf ein immer engeres Rennen hingedeutet. Besonders in ländlichen Bundesstaaten hatte der Iran-Krieg und in dessen Folge die steigenden Benzin- und Dieselpreise für wachsenden Unmut gesorgt.
Maine: Troy Jackson
Der ehemalige Holzarbeiter Troy Jackson löst die Republikanerin Susan Collins nach fast 30 Jahren Amtszeit als US-Senatorin ab. Collins' Niederlage ist auch eine schwere Schlappe für Präsident Donald Trump. Jackson war für den ursprünglichen Demokraten-Kandidaten Graham Platner eingesprungen, der nach schweren Vorwürfen aufgegeben hatte.
Er war zuvor unter anderem Präsident des Senats in Maine. Jackson setzte Collins vor allem für ihre Unterstützung der Agenda von Trump unter Druck. Dessen Themen wie Zölle und der Krieg im Iran sind in weiten Teilen der US-Bevölkerung unbeliebt.