Politik

Trump wurde ausfallendEl-Sayed gewinnt trotz Demokraten-"Verrats" brisante Wahl in Michigan

04.11.2026, 09:03 Uhr
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Das Rennen in Michigan ist eines der meistbeachteten im Vorfeld der US-Midterms. Zuletzt schlägt sich sogar eine demokratische Kandidatin nach verlorener Vorwahl auf die Seite der Republikaner. Doch der progressive Kandidat Abdul El-Sayed setzt sich durch und wird der erste muslimische US-Senator.

Im besonders beachteten Rennen um einen Senatssitz im Bundesstaat Michigan setzte sich der Demokrat Abdul El-Sayed durch. Der wiederholt von Präsident Donald Trump scharf attackierte 42-Jährige gewinnt demnach gegen den Republikaner Mike Rogers. El-Sayed wird damit der erste muslimische US-Senator, wie die Nachrichtenagentur AP auf Grundlage von Wählerbefragungen und Stimmauszählungen meldete.

Bei 85 Prozent der ausgezählten erwarteten Stimmen lag El-Sayed bei 52 Prozent und der ehemalige republikanische Abgeordnete Mike Rogers bei 46 Prozent. 2024 hatte Trump den Wahlkreis noch mit 1,4 Prozentpunkten Vorsprung gewonnen. Sein Sieg dürfte dem linken Flügel der Demokraten mit Blick auf die Präsidentschaftswahl 2028 einen Schub geben.

Das Rennen in dem nördlichen Bundesstaat war landesweit eines der spannendsten. Es wurde auch als Test dafür verstanden, inwiefern linke Vertreter der Demokraten in sogenannten Swing States Chancen auf Wahlerfolge haben. Damit sind Bundesstaaten gemeint, in denen mal Republikaner, mal Demokraten die Mehrheit holen. 

"Verachtenswerter Verrat"

Schlagzeilen machte El-Sayed nur wenige Tage vor der Wahl wegen eines innerparteilichen Zwists. Die in der demokratischen Vorwahl unterlegene Kongressabgeordnete Haley Stevens brach mit El-Sayed. Stevens sprach stattdessen öffentlich ihre Unterstützung für El-Sayeds republikanischen Gegner Mike Rogers aus. Der Minderheitsführer der Demokraten im US-Senat, Chuck Schumer, fand harte Worte für Stevens: Er warf ihr einen "verachtenswerten Verrat" vor.

Nach einem gemeinsamen Gottesdienstbesuch mit Rogers in Detroit verkündete Stevens am Sonntag vor der Wahl gegenüber Reportern und in einem auf X veröffentlichten Video ihre Unterstützung für den Republikaner. "Wie Sie vielleicht gesehen haben, hat unser demokratischer Kandidat für den US-Senat, Abdul, gesagt, ich sei in seinem Wahlkampf nicht mehr willkommen und solle mich fernhalten - und er hat Recht", sagte sie. "Und deshalb spreche ich mich heute für Mike Rogers als Kandidaten für den US-Senat aus."

Inhaltlich ging es bei dem Streit der beiden Demokraten laut Stevens vor allem um El-Sayeds Haltung zu Israel. Er setzt sich unter anderem für ein Verbot von US-Waffenverkäufen an Tel Aviv aus und spricht von einem Genozid im Gazastreifen. Die einflussreiche proisraelische Lobbyorganisation Aipac hatte Medien zufolge versucht, El-Sayeds Kandidatur mit Wahlkampfausgaben in Millionenhöhe zu verhindern, und Stevens unterstützt.

Der 42-Jährige kam als Sohn ägyptischer Einwanderer in Michigan zur Welt. Er studierte Medizin an der Columbia University und promovierte an der University of Oxford. Im Anschluss leitete er Gesundheitsbehörden in Detroit. Zu seinen Kernforderungen gehören eine allgemeine staatliche Krankenversicherung ("Medicare for All"), eine stärkere Besteuerung von Superreichen, die Abschaffung der Einwanderungsbehörde ICE, Klimaschutz und bezahlbarer Wohnraum. Sein zentraler Wahlkampfslogan war: "Es sollte nicht so schwer sein, einfach nur über die Runden zu kommen."

US-Präsident Trump hat Abdul El-Sayed als "Dschihadisten" bezeichnet und gesagt: "Wir werden einen speziellen Metalldetektor für Abdul besorgen müssen." El-Sayed ist Muslim. Weitere Belege als seine Religionszugehörigkeit nannte Trump für die Vorwürfe nicht.

El-Sayed sagte vor der Menge, er habe die antimuslimischen Angriffe während des Wahlkampfs weitgehend ignoriert, weil er geglaubt habe, dass die Wähler sie letztendlich zurückweisen würden. "Sie hatten es auf euch abgesehen und haben euch angegriffen", sagte er. "Sie hatten es auf die Idee von Amerika selbst abgesehen." Die Republikaner hätten eine der "hässlichsten Kampagnen, die wir je erlebt haben" gefahren.

Quelle: ntv.de, toh/DJ/rts/dpa

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