Kampf gegen Machtmissbrauch Initiative will gegen Übergriffe auf Klinikpersonal schärfer vorgehen

In Kliniken sollen herabsetzendes Verhalten von Vorgesetzten und übergriffige Bemerkungen stärker ins Visier kommen und vermieden werden.
"Machtmissbrauch und sexuelle Belästigung gehören für zu viele Beschäftigte zum Arbeitsalltag", sagte die Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Susanne Johna, zum Start einer gemeinsamen Initiative mit der Branche und Vertretungen der Pflegekräfte. "Das ist ein Zustand, den wir so nicht länger hinnehmen dürfen." Ausgehend von einem formulierten Leitbild soll ein Runder Tisch nun konkrete Maßnahmen etwa zu den Meldemöglichkeiten erarbeiten.
Der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, sagte: "Unser Ziel ist eine Arbeitskultur, in der Respekt selbstverständlich ist und persönliche Grenzen geachtet werden." Dazu gehöre auch, dass Beschäftigte Missstände ansprechen können, ohne Nachteile befürchten zu müssen. Es gehe bei den angestrebten Verbesserungen nicht um eine gut gemeinte Sonntagsrede. "Wir wollen in einem Jahr gefragt werden, was sich verändert hat."
Die Geschäftsführerin des Deutschen Pflegerates, Christine Denk, sagte: "Niemand darf erwarten, dass Beschäftigte herabwürdigende Bemerkungen, sexualisierte Übergriffe oder Diskriminierung hinnehmen, nur weil sie einen sozialen Beruf ausüben."
In einer Umfrage des Marburger Bunds mit Antworten von mehr als 9.000 angestellten Ärztinnen und Ärzten berichteten den Angaben zufolge 49 Prozent davon, in den vergangenen zwölf Monaten Machtmissbrauch erlebt zu haben. Zum Großteil ging dieser von ärztlichen Vorgesetzten aus, wie Gewerkschaftschefin Johna sagte. Von sexueller Belästigung berichteten demnach 13 Prozent, meist Frauen. Dies reichte von sexualbezogenen Kommentaren bis zu körperlichen Übergriffen. Man spreche damit nicht nur über wenige bedauerliche Einzelfälle.